Freitag, 8. Juni 2007

Tag 26 – 05.06.2007 – Amsterdam


- Kurz nach 9 Uhr bin ich an diesem Morgen aufgestanden, um das Frühstück nicht zu verpassen… die amerikanischen Weltenbummler hatten sich ihre Wecker auf halb zehn gestellt, lagen aber später immer noch im Bett, als ich mich schon auf den Weg machte – am Frühstückstisch konnte ich mich wieder einmal meiner Muttersprache bedienen, denn ebenfalls am Vortag angereist waren drei Abiturienten aus Mindeln bei Hannover… am interessantesten an unserer Unterhaltung war, zu erfahren, dass einer von ihnen seinen Zivildienst in Indien bei einer deutschen Hilfsorganisation leisten wird… derartiges war mir bisher nicht bekannt… das hätte mein Interesse sicher auch eher geweckt, als die Möglichkeiten hier zu Lande
- Nach dem Frühstück bin ich dann, den ADAC-Stadtplan immer griffbereit aufgebrochen… entlang der Kanäle bin ich stundenlang durch die Straßen und Gassen gegangen – von dem was ich bisher auf Bildern gesehen hatte, war ich von Amsterdam eigentlich wenig begeistert… deswegen wollte ich einen Tag meiner Rundreise nutzen, um diesen Eindruck wenigstens zu bestätigen… aber das Gegenteil war der Fall… wie schon am Vortag so beeindruckte mich die Stadt äußerst positiv… irgendwie sind alle Kanäle gleich und doch ist jeder anders… vor allem die Hausboot strahlen so eine Einfachheit aus… da sind moderne Hausboote, ziemlich heruntergekommene und einige, die dem Sinken nahe, aber liebevoll gepflegte Boote… vor allem letztere beiden dominieren das Bild – und genauso wie mit den Hausbooten verhält es sich auch mit den Häusern in der Stadt… einige sind hochmodern… manche werden einfach nur bewohnt und andere werden liebevoll gepflegt… immer mal wieder ist im Erdgeschoss ein kleines Geschäft untergebracht… so stieß ich völlig abgelegen auf einen Haustein laden mit deutschen Designerküchen… wer den dort finden soll, ist mir ein Rätsel – und natürlich nicht zu vergessen, sind im Stadtbild die Fahrräder… Gangschaltungen sind eine Seltenheit, da eh alles flach ist und so ist der Großteil der Fahrräder schon etwas betagt – auf den Plätzen und in den kleinen Straßencafes und –restaurants herrschte reges treiben… fasziniert haben mich vor allem die Trödelmärkte… sie sind eine Art „offline-Ebay“… es gibt dort durcheinander wirklich alles was man sich vorstellen kann… vom Gewürz, über alte Möbel, Handys, Kleidung, alte Spielzeugautos, Haushaltgeräte, Schmuck, DVDs und CDs, geschnitzte Figuren… einfach alles… allerdings ist es wohl fast zwecklos mit einem bestimmten Einkaufswunsch dort hinzugehen… man sieht tausend Sachen, aber etwas zu finden, ist wohl fast ein Ding der Unmöglichkeit – ein andere Punkt der für Amsterdam spricht… nirgendwo ist das (Mc Donalds) Eis preiswerter… ganze 35Cent kostete hier das einfache Softeis… auch die sonstigen Lebensmittelpreise sind sehr günstig… nur verständlich warum es gerade im Amerstdam so viele Menschen gibt, die von der Hand in den Mund leben
- Irgendwann am Nachmittag kam ich dann zum Anne-Frank-Haus und Museum… erst hatte ich vor mich anzustellen und die Ausstellung zu besichtigen, dann lies ich es aber doch, da ich zum einen mit Sicherheit noch einmal für mehrere Tage die Stadt besuchen werde und ich dann auch in aller Ruhe die Ausstellung anschauen kann… diesmal wären mir nur maximal anderthalb Stunden geblieben und ob das Museum bei diesem Andrang überhaupt angenehm zu besichtigen ist, war fraglich… so setzte ich mich vor einer Kirche in den Schatten und genoss noch etwas die Atmosphäre... auch suchte und kombinierte ich mögliche Zugverbindung für diesen Abend und die folgenden, meine letzten Tage der Reise… nach einer halben Stunde hatte ich endlich eine akzeptable Route gefunden… um 17:30 wollte ich von Amsterdam nach Paris und von dort aus mit dem Nachtzug nach Bordeaux fahren… ich setzte meinen Stadtrundgang Richtung Bahnhof noch etwas fort… dort in der Nähe angekommen versuchte ich noch einmal Gebrauch vom Internetzugang von Meyers-Rundfahrten zu machen… aber irgendwie hackte es diesmal ständig… ich hatte noch eine halbe Stunde bis zur Abfahrt Zeit… dachte ich… bis ich mithörte, wie der Mann neben mir zu seiner Frau „five to six“ sagte… gar nicht sofort realisierend, schaute ich erst nach einer Weile auf meine Handyuhr und stellte erschrocken fest, dass es wirklich bereits 18 Uhr war… ich hatte mich irgendwie um eine Stunde vertan… wie das passieren konnte, ist mir noch jetzt ein Rätsel… zumal ich mehrmals in den davorliegenden Stunden auf meine Uhr geschaut hatte… eine Teilschuld trägt auf jeden Fall die dämliche Analoganzeige meiner Handyuhr… meine älteren Handys hatten alle eine digitale Zeitanzeige… damit wäre mir das ganze sicher nicht passiert
- Nun ja… irgendwie musste es trotzdem weiter gehen und so beschloss ich erst einmal nach Brüssel zu fahren und dort nach einem freien Bett in einer Jugendherberge zu suchen… am Vortag hatte ich da eins gefunden, aber nicht gebucht, da ich eigentlich erst nach Bordeaux wollte – kurz vor zehn war ich dann in Brüssel… erst auf dem Fernbahnhof… aber die Nachtzüge waren wirklich alle schon weg… dann auf dem Stadtbahnhof… eine halbe Ewigkeit musste ich die Bahnhofsstraße entlang gehen, um endlich einen Internetzugang zu finden… er gehörte zu einem Hotel, in dessen Tür das Schild „No free Beds for tonight“ hing… und dieses Schild traf auch auf die Jugendherbergen zu, die ich online finden konnte
- Da der Bahnhof nicht sonderlich gemütlich aussah, sah ich mich nach noch verkehrenden Nahverkehrsverbindungen um… auf diese Weise stieß ich auf einen Zug, der von Brüssel bis Rotterdam und morgens wieder zurück fuhr… er brauchte für eine Strecke fast zwei Stunden und somit war ich schon mal fast vier Stunden komfortabel untergebracht… in Rotterdam musste ich bloß noch die Zeit von halb eins bis halb sechs tot schlagen – so bin ich dann also nach Rotterdam gefahren… der Bahnhof dort war aber schon geschlossen und so machte ich mich auf den Weg in die Stadt… irgendwie standen in Bahnhofsnähe nur Geschäfts- oder Hotelhochhäuser und gegen ein Uhr war die Atmosphäre dort wenig einladend… ich hätte bis zwei noch bei irgendeinem chinesischen Restaurant verweilen können, zog es dann aber doch vor noch einmal zum Bahnhof zu schauen… dort machte ich die glückliche Entdeckung, dass es einen Flughafenzubringer für den Amerstdam-Airport gab, der die ganze Nacht über fuhr… der Zug pendelte immer zwischen Rotterdam, Amsterdam und Uttrecht… für eine Strecke benötigte er ebenfalls fast zwei Stunden und so saß ich um ein Uhr schon wieder im Zug… gegen 2 und 4 Uhr kam ich dann in dieser Nacht noch zwei mal an Amsterdam vorbei… stieg später in Rotterdam wieder um Richtung Brüssel

Tag 25 – 04.06.2007 – Kopenhagen/Amsterdam


- gut ausgeschlafen und gelaunt habe ich mein Zimmer in der Jugendherberge verlassen… im Foyer musste ich dann aber feststellen, dass es draußen regnet… ziemlich kräftig… also habe ich meinen Rucksack und mich selbst wieder wetterfest verpackt… dann ging es los… mein ADAC-Stadtplan/Reiseführer, der bei meinen letzten Aufenthalten etwas in Vergessenheit geraden war, gab mir diesmal wieder meine Ziele vor
- als erstes sah ich mir die Schlossinsel an und beobachtet, wie eine japanische Reisegruppe versuchte vollzählig Unterschlupf vor dem Regen unter einem ca. 50cm breiten Torbogen zu finden – auch so dicht gedrängt, ragten zwischen den Köpfen, Schirmen und Regenjacken noch die Fotoapparate heraus… über den Kongens Nytorv ging es dann weiter zum Schloss Amalienborg… auf ersterem Platz sah es aus wie auf einer Müllhalde… dank dem ADAC-Reiseführer konnte ich aber erfahren, dass dies nicht ständig so ist, sondern dass dort einmal im Jahr die Abiturienten ihren Abschluss feiern… und das war wohl am Vorabend der Fall gewesen
- die Straßen sind von vorwiegend alten schön restaurierten Häusern gesäumt… große, prächtige Häuser, barocke oder Renaissancebauten, genauso wie kleine Schmale Fischer- oder Handwerkshäuser… entlang des Nyhavn, eines Stichkanals, ist in jedem Haus unten ein kleine Restaurant zu finden… weiter zum Hafen zu sind in den riesigen Speichern inzwischen noble Hotels untergebracht
- mein weiterer Weg brachte mich dann zur Friedrichs- oder auch Mamorkirche… sie wurde 1949 vom König ein Auftrag gegeben, nach seinem Tod aus Geldmangel aber nicht fertig gestellt… erst ein wohlhabender Kaufmann lies 100 Jahre später die Bauarbeiten beenden… jetzt ist die 46m hohe Kuppel der Kirche im Stadtbild nicht übersehbar… im Verhältnis mit den Dimensionen des Kirchenraumes und des Prunkes passen aber nur relativ wenig Gläubige in die Kirche… so gesehen eine etwas ineffektive Planung
- gegen Mittag kam ich nach einem Rundgang am alten Stadt-Kastell am bekanntesten Wahrzeichen Kopenhagens an: der kleinen Meerjungfrau… im ADAC-Reiseführer stand, ihr sei schon zwei mal durch Vandalen der Kopf mit der Säge abgetrennt worden… sichtbar war davon jedenfalls nichts mehr…da saß einfach eine kleine, junge Frau und blickte etwas traurig aufs Wasser… bei Germanys Next Topmodel hätte sie so keine Lorbeeren ernten können… dafür hatte sie zu wenige Facetten
- Richtung Nationalgalerie und Schloss Rosenborg kam ich an der Arbeitersiedlung Nyboder vorbei… hier hatte der damalige König schon 1631 eine Sozialbausiedlung errichtet, um die weitere Abwanderung der Arbeiter, bedingt durch die Schifffahrt, zu verhindern… die kleinen, eingeschossigen, gelben Reihenhäuser hoben sich auf jeden Fall deutlich von den übrigen Häusern im Stadtviertel ab… diese waren meist Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut… relativ schlichte Ziegelhäuser und dazwischen noch schlichtere Funktionalbauten
- Vom Schlossgarten des früheren Sommerschlosses Rosenberg aus, konnte man den Spielmannszug der Nationalgarde bei unklar bleibenden Übungen beobachten… mindestens genauso sehenswert war aber der schön gepflegte Schlossgarten
- Am Runden Turm vorbei, den ich auf Grund nicht vorhanden sein Dänischer Kronen nicht besteigen konnte, ging ich über die Haupteinkaufsstraße zum Rathausplatz und von dort weiter, am Tivoli vorbei, zum Hauptbahnhof… den Tivoli hätte ich gerne auch besucht, aber für ihn wurden wie für einen Erlebnispark Eintrittsgebühren verlangt und alleine ist solch ein Parkbesuch auch wenig reizvoll
- So saß ich gegen 16 Uhr wieder im Zug… diesmal zum Flughafen Kopenhagen… die Ritualien inzwischen gewöhnt, verlief das Einchecken, die Sicherheitskontrolle und auch der Flug problemlos – irgendwann im Tagesverlauf bekam ich etwas Schnupfen, fühlte mich sonst aber pudelwohl… das nur als Anmerkung – beim Aussteigen aus dem Flugzeug lernte ich einen Indonesier kennen… er war aber in Europa aufgewachsen und lebte jetzt in der Nähe von Amsterdam… seine Freundin, die von den Farör Inseln stammt, lebt in Malmö und so besuchen sie sich immer abwechselnd mal hier, mal da… diesmal hatte er sie gerade wieder besucht… wir unterhielten uns noch etwas über dies und das… er zeigte mir den Weg zum Bahnhof und dort trennten sich unsere Wege wieder
- Gegen 19:45 war ich in Amsterdam… ich hatte noch keine Jugendherberge und musste somit erstmal irgendwo einen kostenlosen Internetzugang finden, um nach freien Betten suchen zu können… ich hatte viel Glück, denn gleich mein erster Versuch auf dem Weg in die Innenstadt war erfolgreich… eine Meyers-Bootsrundfahrten hatten ihr Netz offen und so machte ich mich auf die Suche… auch dabei hatte ich Glück… bei hostelworld.com fand ich für 20€ zentrumsnah ein Hostel mit freien Betten… auf eine Onlinebuchung verzichtete ich in diesem Fall, schließlich war ich in einer halben Stunde dort und konnte mir somit die Buchungsgebühren sparen… in der Jugendherberge angekommen war das Bett glücklicherweise immer noch frei… aber es war das letzte und so wollte der nette Mensch an der Rezeption erst 30€… nachdem er aber telefonisch bei seinem Chef nachgefragt hatte… war notwendig, wie er sagte… er war der Chef (hat er nicht gesagt)… konnte ich dann doch für die 20€ übernachten – mit mir im Zimmer einmal mehr ein paar US-Boys auf Europatripp
- Ich hatte mich dann noch mal in die Stadt aufgemacht… die Sonne verschwand gerade hinter dem Horizont… für stimmungsvolle Fotoaufnahmen war ich leider etwas zu spät – schon auf dem Weg zur Jugendherberge hatte ich einige Fotos gemacht und dabei mit Schrecken festgestellt, dass der Autofokus ausgeschalten war… keine Ahnung wie lange das schon der Fall war… hoffentlich war es mir erst an diesem Abend beim Herausnehmen der Kamera passiert… andernfalls habe ich wohl schon länger ziemlich unscharfe Bilder gemacht… an dem Kamerabildschirm fällt das kaum auf… und aufs Notebook überspiele ich sie ja immer erst mit etwas Verzögerung
- Wieder im Hostel versuchte ich den kostenlosen Internetzugang zu nutzen… grundlegend funktionierte das aus… allerdings brach die Verbindung ständig zusammen oder ging nur sehr schleppend… mit einiger Geduld schaffte ich es dann aber doch, zumindest einige meiner letzten Tagesberichte in mein Blog zu stellen… mit noch etwas mehr Geduld konnte ich mir sehr stockend auch noch die Best-of-Kurzfilme der letzten Harald-Schmidt-Sendungen anschauen… das tat meinem Zwerchfell mal wieder gut :-) … gegen zwei Uhr schlief ich dann endlich ein

Tag 24 – 03.06.2007 – Malmö/Göteborg/Kopenhagen


- während die Bahnhofswache ihre Räumungsaktion durchführte, hatte ich mich entschlossen den einzigen Zug zu nehmen der hier nachts fuhr… ein Pendelzug, der anderthalb Stunden für eine Strecke brauchte und anschließend nach etwas Aufenthalt wieder in die Gegenrichtung fuhr… wo genau es hinging wusste ich nicht… war aber auch egal… Hauptsache ich kam wieder zurück… irgendwie gings jedenfalls über den Flughafen- und den Stadtbahnhof Kopenhagen und Endstation war wohl, wie sich später herausstellte, irgendeine Fährstation
- anstatt zu schlafen, nutzte ich die Hinfahrt, um die ORF1-Ski-Challenge auszuprobieren… ein Computerspiel, dass ich mir vor kurzem aus dem Internet herunter geladen hatte… auf meinem Notebook war in der Grundinstallation kein einziges Windowsspiel und ab und zu sucht man doch einmal derartigen Zeitvertreib - auf meiner Rückfahrt nutzte ich die Zeit etwas sinnvoller und konnte fast bis Malmö durchschlafen… immerhin eine Stunde – wieder zurück, war inzwischen der Bahnhof auch wieder offen… es war erst halb fünf und somit ist fraglich, ob sich das Schließen überhaupt gelohnt hat… aber es könnte möglich sein, dass in der Zwischenzeit die Putzkolone durchgezogen war… mein Platz neben der Steckdose war jedenfalls noch sauberer als vorher
- wieder im Bahnhof wusste ich nicht so recht was ich nun tun sollte… aber da die Sonne gerade aufging, hoffte ich auf ein paar gute Fotomotive und machte mich so mit Sack und Pack und Kamera wieder nach draußen auf… ich ging zum Gelände des neuen Docks… fotografierte einige Ladekräne im Morgenlicht… und konnte beobachten wie ein Containerschiff in den Hafen einlief, sich in der engen Hafeneinfahrt um 180° drehte… Wahnsinn, wenn ich bedenke, welche Schwierigkeiten schon das Einparken eines Autos gelegentlich verursacht… und dann rückwärts bis zum Verladedock fuhr
- die Morgenluft hatte munter gemacht, doch war es auch ziemlich frisch und so begab ich mich anschließend wieder in den Bahnhof… hier hatten inzwischen die Sanitäreneinrichtungen wieder geöffnet und so duschte ich mich erst einmal ausgiebig und machte mich für den Tag frisch…anschließend spielte ich noch etwas und nahm dann den 9 Uhr Zug nach Göteborg… der fuhr schneller, weil direkter, als die frühere Verbindung und benötigte keine Reservierung… nicht unbedingt jedenfalls – denn diesmal durfte ich auch aktiv an der, schon aus Portugal bekannten, Sitzrochade teilnehmen… ca 60% der Sitzplätze waren reserviert… diese Plätze waren aber nicht gekennzeichnet und so saßen die Passagiere ohne Reservierung wieder irgendwo… nach spätestens ein paar Stationen hieß es dann wieder Platz machen und sich einen anderen freien Platz suchen… freie Plätze gab es aber nur, weil sich ein Teil der Reisenden ständig durch den Mittelgang zwängte… auf der Suche nach einem freien Platz… aus Passagiersicht ein sinnloses Unterfangen… aus Sicht des Bahnunternehmens äußerst profitabel, weil zu den 60% reservierten Sitzplätzen sicher noch ausreichend Fahrgäste für weitere 60% an Plätzen im Zug waren
- in Göteborg kam ich erst gegen halb eins an… ich hatte nur fünf Stunden Zeit… musste kurz nach halb sechs schon wieder zurück bzw. weiter nach Kopenhagen… dort hatte ich immerhin für die kommende Nacht noch ein Bett reservieren können – wie immer mit Stadtplan ausgestattet, informierte ich mich noch kurz über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Stadt und brach dann auf… als erstes Richtung Hafen… dem Stadtzentrum zugewandt lagen einen alte Schiffe, die Museen oder Restaurants enthielten… auch eine kleinere Fähren und Rundfahrten legten hier an… im Hintergrund sah man den Frachthafen… auf der Suche nach der ältesten Kirche in Göteborg, stand ich plötzlich in einem Gotteshaus, in dem ein Clown vorm Altar Essen und Getränke verteilte… irgendwie verstand ich auch jedes gesprochene Wort… auf Nachfrage bekam ich dann mit, dass es sich um die Deutsche Gemeinde in Göteborg gehandelt hat… Zufälle gibt’s.... nicht sicher, ob der Herr Gott wirklich selbst der edle Spender der Nahrungsmittel war, zog ich dann zügig weiter… ich wanderte durch die historischen Straßenzüge des Altstadtkerns… viele meist dreigeschossige Häuser… die unterste Etage aus Stein gebaut… die darüber liegenden aus Holz dazwischen immer mal wieder einige Ziegelbauten… allerdings waren hier im Stadtbild meist gelbliche, Flensburger Ziegel zu sehen… vor allem bei Sonnenschein wirken die Ziegelbauten dadurch nicht so bedrückend – auf der Suche nach Wasser fand ich dann erst Mineralwasser, dann einen Supermarkt… merkwürdiger Weise hatte ich in Schweden überall das Problem, dass ich mit meiner Mastercard zwar in Geschäften bezahlen, nicht aber am Automat Geld abheben konnte… das Wetter in Göteborg entsprach erfreulicherweise dem aus Südeuropa: blauer Himmel und 30°C… im Supermarkt gönnte ich mir deshalb mal wieder ein äußerst leckeres Eis… im Vergleich zur Nizza-Portion aber nur einen halben Liter… der war aber auch ausreichend
- innerlich gut gekühlt bestieg ich dann einen Hügel in der Stadt… auf ihm steht einer der früheren Verteidigungstürme… vier bis fünf Meter dicke Mauern und starke Bewaffnung sollten die Stadt und die Flussmündung schützen – von dort aus lief ich dann noch zum berühmtesten Platz und entlang der Prunkstraße von Göteborg… wie schon in Stockholm gesehen, wechseln sich auch hier Gründerzeithäuser mit Funktionalgebäuden ab… durch die schon erwähnten gelblichen Ziegel aber fast alle sehenswert
- 17:30 Uhr wieder im Zug, hatte ich nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Göteborg gesehen… von den weiter außen liegenden Stadtteilen habe ich nichts mitbekommen… der Stadtkern aber konnte mich positiv beeindrucken… abwechslungsreiche Architektur… viele Parkanlagen… einige Kanäle… insgesamt gemütlich und nicht so zersplittert wie Stockholm – und in Göteborg wie in Stockholm: viele blonde Frauen
- Gegen dreiviertel zehn kam ich Kopenhagen auf dem Bahnhof an… die Jugendherberge ist größte Europas, schon von weitem gut zu erkennen und somit nur schlecht zu verfehlen… dementsprechend schnell war ich dort… meine Buchung war seitens der Jugendherberge mal wieder schwer aufzufinden… schließlich aber doch vorhanden – in dem Sechs-Mann-Zimmer waren nur drei Betten belegt… in einem schlief schon ein älterer Herr, das andere war leer – die Jugendherberge ist noch relativ neu und somit verhältnismäßig modern und sauber… somit war wieder Großwaschtag angesagt und alles was sich so angesammelt hatte, wurde einzeln im Waschbecken mit Seife ausgewaschen… das zog sich ganz schön hin… anschließend gab es noch Eier-/Pfannenkuchen mit Apfelmus… dann genoss ich wieder den Komfort eines Bettes

Tag 23 – 02.06.2007 – Malmö


- liegend und gut erholt bin ich an diesem morgen im Schlafwagen in Malmö aufgewacht… mit mir im Abteil waren noch einige Amerikaner, die ebenfalls auf Europa-Trip waren… nachdem ich mich Bahnhof wieder frisch gemacht hatte, nutzte ich die Morgenstunde erst einmal um meine Fotos der letzten Tage aufzuarbeiten… meine Speicherkarte in der Kamera war am Abend zuvor voll geworden und so musste ich endlich zumindest die Bilder auf der anderen Karte abarbeiten… nachdem ich das geschafft hatte, ging es auf in die Stadt… einen Stadtplan hatte ich gleich am Bahnhof gefunden… zu meiner Enttäuschung begrüßte mich draußen Nieselregen
- so führte mich mein erster Weg gleich ins Städtisches Museum… ein ideales Museum um es mit Kindern zu besuchen… es beherbergt verschiedene Ausstellungen, die jeweils nur einige Räume umfassen… so zum Beispiel Ausstellungen über das Wohnen in den verschiedenen Epochen, Kaffee-Ausstellung, Aquarien, Terrarien und ausgestopfte Tiere, sowie eine Kunstausstellung… am eindrucksvollsten war für mich auch hier die Gegenüberstellung der verschiedenen Epochen
- auch wenn das Wetter weiterhin von gelegentlichen Schauern geprägt war, erkundete ich im Anschluss die Docks von Malmö… auch hier war ein neues Hafenviertel am Entstehen… hochmodern und schick… in bester Meerlage sowohl Mehr- als auch Einfamilienreihenhäuser… dahinter auch Bürohäuser und anderweitig genutzte Gebäude… zwischendrin immer wieder Anlegestege mit Booten und kleinen Jachten
- ziemlich windig war es so nah am Meer, was der Segelregatta aber gerade recht kam… etwas weiter links des neuen Hafenviertels befindet sich ein älteres Wohngebiet, Neubaublöcke, die senkrecht zum Meer stehen und durch weitläufiges Grün von selbigem getrennt sind… wenn auch etwas veraltet, so lässt sich wohl auch hier angenehm leben
- während des Nachmittags führte mich mein Weg dann in das Stadtzentrum… hier vermischen sich wieder Gründerzeithäuser mit Funktionalbauten und modernen Gebäuden… etwas abseits von den Hauptstraßen traf es mich wie ein gleißendes Licht… nach exakt 550 Stunden… war ich dem Alltag… der Gewohnheit… wieder etwas näher… ich befand mich mitten zwischen den Lidl-Regalen – bis auf ein leicht anderes Sortiment alles an seinem gewohnten Platz… welch ein Gefühl von Glück und Harmonie… für mich als schwer-entscheidbaren verkürzt sich da die Einkaufszeit um mindestens die Hälfte… in anderen Fällen ist es keine Seltenheit, dass ich schon mal 30 Minuten brauche, bis ich mich entschlossen habe, dass ich Eier- bzw. Pfannkuchen und Apfelmus kaufe… allein schon die Wahl des Mineralwassers erscheint manchmal schwerer, als die Frau fürs Leben zu finden… nun gut… Nahrungsmittel hatte ich anschließend erst einmal genug
- mein vorrangiges Interesse galt anschließend dem finden eines kostenlosen Hotspots… das gestaltete sich aber äußerst schwierig, da man sich durch den gelegentlichen Nieselregen nirgends hinsetzten konnte… mit viel Glück fand ich dann in einem Hauseingang Unterschlupf… nebenan war ein kleines Hotel… dessen Internetzugang konnte ich nutzen… meine Suche galt einer Übernachtungsmöglichkeit für die folgende Nacht… am liebsten wollte ich am Abend noch nach Göteborg fahren, dort in einer Jugendherberge übernachten, den Abend darauf nach Kopenhagen fahren und dort wieder übernachten, um am nächsten Tag meinen Flug nach Amsterdam zu bekommen – ungünstigerweise war alles, aber auch wirklich alles ausgebucht… egal welche Variante ich mir auch noch ausdachte, weder in Malmö, Kopenhagen oder Göteborg war für diese Nacht ein bezahlbares Bett zu finden… so nahm ich mir vor am Abend auf dem Bahnhof noch mal alle Zugverbindungen durchzuspielen, ob ich nicht doch irgendwie über Nacht nach Göteborg kommen könnte – als ich weiterging bemerkte ich, dass ich kurioser Weise nur 20 Meter von der Malmö’er Jugendherberge weg gesessen hatte
- nun hatte ich vorerst noch eine Menge Zeit, denn den 19 Uhr Zug musste ich nicht mehr erreichen… irgendwann war auch die Sonne herausgekommen und das Straßenbild wurde noch belebter… die ganzen Straßenrestaurants füllten sich… überall wurde getrunken, geredet und gegessen
- bei schönstem Sonnenschein saß ich dann noch eine ganze Weile auf einer Parkbank… ich genoss die Abendsonne und belauschte amüsiert das Gespräch auf der Nachbarbank… dort saß ein Pärchen: er ca. 35, weiß, aus Dänemark, studiert, etwas introvertiert, kein Ballkönig aber auch nicht Geisterbahn tauglich, sie ca. 30, dunkle Hautfarbe, wohnhaft in Schweden, intelligent/vielleicht studiert, attraktiv… beide unterhielten sich über dies und das… hauptsächlich aber ging es darum, dass es zum einen in Dänemark keine beziehungstauglichen Frauen gibt und zum andern, dass er staatlich verordnet einen Stichtag einführen wollte, an dem jeder Staatsbürger geheiratet haben MUSS… vor allem die Diskussion um letzteren Punkt war sehr unterhaltsam… ich habe mir meinen Teil gedacht… sie hat versucht ihn von der Sinnlosigkeit seiner Überlegung zu überzeugen, es aber letztlich nicht geschafft
- irgendwann nach 21 Uhr habe ich mich dann wieder im Bahnhof eingefunden… die Suche nach einer Regionalzugverbindung des Nachts nach Göteborg verlief erfolglos… immerhin hatte ich an der Bahnhofswand eine freie Steckdose gefunden und konnte mein Notebook für die lange Nacht fit machen… in der Sportsbar nebenan wurde heftig bei dem Schwedenspiel mitgefiebert… dem Jubel nach mussten sie gewonnen haben… allerdings war dieser Jubel noch nichts gegen das, was später folgte… anscheinend hatte das Spiel irgendwo in der Nähe von Malmö stattgefunden… bis Mitternacht kamen jedenfalls mit jedem Zug schwedische Fans in Hochstimmung in die Bahnhofshalle – an dieser Stelle kann ich feststellen, dass ein betrunkener Schwede sich durch nicht von einem betrunkenen Deutschen unterscheidet… nicht einmal den Sprachunterschied kann man mehr hören
- was ich die Nacht über genau machen, vor allem wann ich schlafen wollte, wusste ich auch noch nicht… vorerst war ich mit meiner Steckdose schon gut bedient… die Schweden boten auch gute Unterhaltung… ein Zug nach Göteburg fuhr frühestens 7:40 Uhr… bei der weiteren Planung der Nacht kam mir dann die Bahnhofswache ungerufen zu Hilfe… denn kurz nach Mitternacht schlossen die das Bahnhofsgebäude und setzten alle Leute vor die Tür… eine schwierige Angelegenheit bei unzähligen keinesfalls nüchternen Fußballfans

Dienstag, 5. Juni 2007

Tag 22 – 01.06.2007 – Stockholm


- kurz nach halb sechs war kam der Zug in Stockholm an… als erstes suchte ich die Sanitäreneinrichtungen des Bahnhofs auf… diese waren zum Glück in einem sehr ordentlichen Zustand… so konnte ich die letzten Tage wieder von mir abspülen und fühlte mich anschließend wieder frisch… da es noch sehr früh und draußen noch bewölkt war, blieb ich noch etwas im Bahnhof… ich musste eh noch weiter an meinem Blog schreiben… durch einen glücklichen Umstand… ein netter Mann hielt mir beim Verlassen die Tür auf… kam ich in die Bahn-Lounge für Passagiere 1.Klasse… dort konnte ich mich sowohl mit Strom als auch mit Frühstück versorgen… sehr praktisch :-)
- anschließend verließ ich den Bahnhof… hatte aber nur einen sehr groben Stadtplan und wollte eigentlich direkt zur Touristeninformation… irgendwie fand ich dann aber doch wieder mal diese und dann wieder eine andere Straße verlockend und so marschierte ich letztlich wieder meiner Nase nach kreuz und quer durch die Stadt – in einem Park traf ich auf einen Schulabschlussjahrgang, der gerade beim Aufstellen zum Gruppenfoto war… alle Schüler/-innen hatten eine Art Matrosenmützen auf… die Jungs meist Anzüge und die Mädels kurze weiße Kleider an… wenn der Wind nicht so frisch gewesen wäre, hätte man da durchaus länger Verweilen können
- irgendwann war mir mein Kreuz-Und-Quer-Laufen dann doch planlos… zu mal ich nicht mehr wusste, wo ich bin… was ich, wie sich später herausgestellt hat, auch vorher nicht wusste… jedenfalls habe ich dann irgendwie doch noch zur Touristeninfo gefunden… da war es aber schon 13 Uhr… welche Museen es in der Stadt kam und welche Stadteile es gibt, wusste ich zuvor schon, nun aber hatte ich einen brauchbaren Stadtplan… so machte ich mich gleich auf zum „Junibacken“… der Kindererlebniswelt, die Astrid Lindgrens Geschichten thematisiert… der Eintritt war verglichen mit anderen Museumspreisen sehr hoch, aber er hat sich gelohnt… sicher wäre das Vergnügen noch größer gewesen, wenn ich Kinder mitgehabt hätte, aber konnte mir ja nicht einfach eines auf der Straße ausleihen… Junibacken besteht im wesentlichen aus drei Teilen… zwei riesengroßen Indoor-Erlebnisspielplätzen… mit kleinen eingerichteten Häusern, die teils mehrere Etagen haben… man von einem ins nächste gehen kann… und die meist thematisch mit Astrid Lindgrens Geschichten zu tun haben… ein wirkliches Kinderparadies… gekrönt wurde das ganze durch eine Fahrt durch eine Märchenwelt, in der einzelne Szenen aus der Lindgren’chen Geschichten dargestellt und erläutert wurden… man saß dabei in einer Art Strandkorb… jeweils vier Personen nebeneinander… und fuhr, flog und drehte sich durch, über und zwischen den verschiedenen Szenen… im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch
- das Wetter war schon den ganzen Nachmittag eher trüb und im Ansatz regnerisch… so bin ich vom Kinderland aus ins unweit entfernte Nordische Museum… dort sind verschiedenste schwedische Traditionen, Bräuche, Volkskunst und deren geschichtliche Entwicklung ausgestellt und erläutert… am schönsten waren hier die Weihnachtsdioramen anzusehen
- von Djurgarden der Freizeitinsel Stockholms bin ich dann über die Innenstadt zur Gamla Stan, der Altstadt… hier im ursprünglichen Stadtkern findet man sowohl mächtige und prunkvolle königliche Gebäude als auch schmale Gassen mit meist ebenso schmalen Häusern… eine erhebende und gemütliche Atmosphäre – auf einem der vielen Plätze ließ ich mich nieder und hatte, völlig unerwartet, sogar Zugang zum Internet… nachdem ich meine Mails abgerufen hatte, vergnügte ich mich bei Youtube mit Filmausschnitten von Harald Schmidt und Ottmar Zittlau aus Wochenschau-Zeiten
- mit beanspruchtem Zwerchfell erkundete ich dann auch noch den Stadtteil Södermalm… hier wechseln sich Gebäude aus der Gründerzeit, mit Bauhausbauten und derzeit modernen Häusern ab – meist finde ich Bauhaus-Architektur unschön… aber in diesem Dreiklang kann sie sich positiv abheben und die Wirkung der anderen Gebäude wiederum verstärken… inzwischen war die Sonne wieder herausgekommen und so herrschte wieder richtiges Fotowetter
- abermals die Altstadt durchquerend, bin ich am Abend zurück zum Hauptbahnhof… da es nach Göteborg keinen Nachtzug gab, hatte ich beschlossen zu erst nach Malmö zu fahren… beim Schaffner konnte ich auch kurzfristig noch einen Platz im Zug reservieren… leider bestand dieser komplett aus Liegewagen und so musste ich doch einiges mehr zahlen als sonst… zumindest war das damit gecharterte Bett ausreichend lang, um mich auch in ausgestreckter Form zu beherbergen

Montag, 4. Juni 2007

Tag 21 – 31.05.2007 – Oslo


- Nach einer entspannten Nacht war ich bereits halb sieben wieder in Oslo… da ich schon um die Internetverfügbarkeit im Bahnhof wusste, nutzte ich selbige gleich erst einmal aus, um meine Tagesberichte zu vervollständigen und mein Blog zu aktualisieren… gegen halb neun brach ich dann mit Stadtplan ausgerüstet auf… erst sah ich mir etwas die Innenstadt an… in einem kleinen Park steht dort eine Statue, die mehr Möwen- und Taubenklo als alles andere ist… derart zugeschissen… in solch einem Fall würden die meisten wohl auf eine Statue ihrer selbst verzichten
- Anschließend ging ich weiter in Richtung Hafen… dort befinden sich auch Burg und Schloss Akershus… doch waren die erst einmal weniger interessant, als die im Hafen liegende „Star Prinzess“… ein gewaltiges Kreuzfahrtschiff, dass die Burg nebenan noch überragte… die meisten Passagiere schienen Landgang zu haben, denn auch Teile des Personals kamen mir entgegen… auf dem Schiff war auch kaum jemand zu sehen… nur weit oben sah man einige frühstücken und ein einzelner Herr stand einsam auf seinem Balkon… immerhin auch eine weiße Gestalt sah ich auch auf der Komandobrücke… führerlos war das Schiff also nicht… an und zu waren auch Durchsagen zu hören, wie man sie aus dem Supermarkt kennt… dann wurde wieder irgendein unaussprechlicher Name genannt und das dazugehörige Besatzungsmitglied aufgefordert, sich bei seinem Vorgesetzen zu melden
- nachdem ich das Schiff ausgiebig bestaunt hatte, erklomm ich das Schloss… die Auffahrt durch die mehreren Tore erinnert an die Festung Königstein… sie ist ähnlich steil und war wohl kaum nur durch Zugkraft der Pferde zu bewältigen – die Aussicht vom Schloss war toll… zum einen konnte man den Hafen und einen Teil Oslo’s überblicken… unter anderem auch die Sprungschanze auf dem Holmenkollen sehen… und dann konnte man von hier aus noch besser auf das benachbarte Kreuzfahrtschiff sehen… aber eigentlich war ich ja dort um die Burg und das Museum zu besichtigen… passender Weise war selbiges aber am 30. und 31. Mai wegen eines offiziellen Anlasses geschlossen… Volltreffer
- also habe ich mich wieder auf in die Stadt gemacht… war am königlichen Schloss samt Garten… und bin zum norwegischen Nationalmuseum… bzgl. der Wikinger hätte ich mir dort mehr erhofft… interessanter fand ich die im Anschluss besuchte Nationalgalerie… dort fand ich kurz vor Verlassen auch noch ein Stück Heimat… den Basteiblick… gemalt 1819 von Hans Christian Dahl… der hätte sich gut über meinem Bett gemacht… im Munch-Museum hatten sich ja vor ein, zwei Jahren auch nicht autorisierte Personen einiger Gemälde angenommen… was da geht, sollte in der Nationalgalerie auch möglich sein… aber leider war in meinem Rucksack nicht mehr genug Platz, um das Bild unterzubringen ;-)
- durch die Schließung um 19 Uhr wurde meine Museumstour beendet… ich versuchte dann krampfhaft bis auf den letzten Øre auszugeben… mit einigen Postkarten und einem Schokolutscher gelang mir das dann auch… dann gings zurück zum Bahnhof… diesmal fand ich im Bahnhof sogar noch eine Steckdose… versorgte mich somit nochmals mit Strom und Internet… dann fuhr auch schon der Nachtzug nach Stockholm ab

Tag 20 – 30.05.2007 – Bergen


- die Bahnstrecke nach zwischen Oslo und Bergen soll eine der schönsten in Skandinavien sein… dieses Erlebnis wollte ich mir eigentlich nicht entgehen lassen und hatte mir vorgenommen diese Nacht wach zu bleiben und die Landschaft zu genießen… wann ich statt dessen aber schlafen wollte, hatte ich mir nicht überlegt – schon das Wachbleiben gestaltete sich schwieriger als gedacht… zu Beginn der Zugfahrt war es doch ziemlich dunkel und außer in den schön erleuchteten Städten, konnte ich meist nur die Konturen der Landschaft erkennen… für eine mondlose Nacht war es trotzdem verhältnismäßig hell und schon zwischen drei und vier ging die Sonne auf… zu diesem Zeitpunkt passierte die Bahn gerade den höchsten Teil der Strecke und links und rechts waren meist nur Fels oder Schnee… über unzählige Tunnel und Brücken ging es dann Berg ab bis nach Bergen… zwischen den Bergen hindurchgeschlängelt, entlang der riesigen Fjorde war das wirklich faszinierend
- bei schönstem Sonnenschein, blauem Himmel und mir angenehmen Kurzarm-Temperaturen kam ich in Bergen an… weder war ich richtig munter, noch wirklich müde, aber das Wetter wirkte erfrischend… so gleich machte ich mich durch die Stadt in Richtung Hafen auf… am Bahnhof hatte ich durch ein Info-Heft erfahren, welche Museen und Sehenswürdigkeiten es hier gab… vormittags wollte ich mir davon einige im Stadtzentrum anschauen und nach dem Mittag den nahe liegenden Hausberg der Stadt erklimmen – die sehr alte, romanische Kirche der Stadt war aber wegen Orgelproben geschlossen… ebenso war ein Teil der Burg wegen Festlichkeiten nicht geöffnet… immerhin den in mehreren Etappen erbauten Burg-Wohn-Turm konnte ich besichtigen… er hatte einige Gemeinsamkeiten mit dem Castle in Blarney, war allerdings noch vollständig erhalten bzw. wieder restauriert worden – ein Großteil der Häuser im Zentrum von Bergen ist im Jugendstil oder Bauhaus errichtet… dazwischen gibt es noch einige Gassen mit älteren, kleinen Holzhäusern… umschlossen von sieben Bergen, somit auch hügligen Straßen, und zwei Hafenbuchten macht die Stadt einen sehr gemütlichen Eindruck
- dieser Eindruck wurde leider gegen Mittag getrübt… mit dem Traumwetter vom Vormittag war es vorbei… der Himmel bewölkte sich vollkommen, Wind kam auf und es regnete… mal leichter… mal stärker… aber fast ständig – ich beerdigte meinen Plan, den Berg, der auch mit einer Standseilbahn erreichbar war, zu besteigen… statt dessen beschloss ich mit der Regionalbahn einen Teil der Strecke schon am Nachmittag noch einmal hin- und anschließend wieder zurück zu fahren… bei Regen aber immerhin im Hellen war das die beste Alternative… ich fuhr bis nach Voss, dass schon ca. 600 Meter höher als Bergen bzw. über dem Meeresspiegel liegt… die umliegenden Berggipfel waren hier schon alle weis… auf dem großen Bergsee war zu dieser späten Nachmittagsstunde nichts mehr los… am Rand wurde aber auf Schildern der „höchste Bungeejumping-Sprung der Welt“ beworben… von einer Parasailing-Plattform aus… das bedeutet ein Motorboot zieht einen Gleitschirm… an diesem hängt eine Absprungplattform und von der aus stürzt man sich in die Tiefe… schon krass, was diese Norweger sich so ausdenken
- gegen 21 Uhr war ich wieder in Bergen… inzwischen hatte es aufgehört zu regnen und so schlenderte ich noch etwas durch die Stadt… die restliche Zeit bis zu meiner Zugabfahrt gegen 23 Uhr wartete ich dann auf dem Bahnhof… im Zug selbst tat der gleiche Schaffner wie am Vortag Dienst… er erkannte mich auch und wollte mein Ticket gar nicht mehr sehen… an dieser Stelle sei dann auch gleich die norwegische Bahn gepriesen… der Service in den Nachtzügen ist wirklich hervorragend… obwohl nur Sitzplatz 2.Klasse, liegt auf jedem Platz eine Tüte mit einer dünnen Decke, einem aufblasbaren Kissen, einer Augenbinde/-klappe und zwei Ohrstöpseln… das reizt die innere Sammlernatur schon sehr stark und man ist geneigt den Inhalt der Tüte mitzunehmen… am liebsten die vom Nachbarplatz auch noch… nicht nur das es kostenlos ist… man weiß sofort einen Nutzen in den Gegenständen… die ist beim Sammeln eher die Ausnahme… normalerweise sammelt man meist in der Hoffnung, man könnte den Gegenstand irgendwann einmal gebrauchen… na wie dem auch sei… mein Rucksack war eh schon voll gestopft… trotzdem konnte ich es nicht lassen zumindest die kleinen Aufblaskissen und die Augenklappen mitzunehmen
- kurz nach der Abfahrt fiel ich dann in einen tiefen Schlaf… zum vierten Mal die Strecke befahrend, musste ich nun nicht mehr fürchten draußen etwas zu verpassen