Donnerstag, 31. Mai 2007

Tag 18 – 28.05.2007 – Belfast/Dublin


- nachdem ich im Morgengrauen schon zwei Mal auf meine Handyuhr geschaut hatte, stand ich gegen sieben endlich auf… so wie ich war und mit Rucksack verließ ich das Zimmer und suchte im Gang nach einem Bad mit Waschbecken… Fehlanzeige… also musste ich meine ganze Morgentoilette per Dusche vollziehen… etwas umständlich, aber machbar, wie ich jetzt weiß
- an der Jugendherbergsrezeption fragte ich gleich, welches Museum an diesem Tag, Pfingstmontag geöffnet hatte… mir schwante schon böses und so war es denn auch… „Bank Holiday“… alle Museen geschlossen… die Geschäfte paradoxerweise aber trotzdem geöffnet… die Bahn verkehrte auch wie an Werktagen und so hatte ich noch bis halb elf Zeit – immerhin die Sonne schien und so machte ich mich in Richtung der Hafendocks seitlich des Stadtzentrums auf… wie in Dublin so war auch hier das ganze Areal neu gestaltet worden oder teilweise noch im Umbruch… auf diesem Gelände war die Titanic gebaut worden… aus späterer Zeit standen hier auch noch zwei überdimensionale Rollkräne der Harland & Wolff Werften… einst von Krupp gefertigt, überragen sie alles in der Stadt – an dieser Stelle sei für Interessierte auf vermerkt: ebenfalls in Belfast wurde der legendäre De Lorean DMC-12 produziert, welcher durch die Filmtrilogie „Zurück in die Zukunft“ Kultstatus erreichte (Quelle: Wikipedia)
- gegen 10 Uhr ging ich dann wieder zurück in Richtung Bahnhof… das moderne Hafenviertel, als auch der Universitätsstadtteil hatten mein Belfast-Bild inzwischen aufgehellt… trotzdem ist es keine Stadt, die ich touristisch empfehlen würde und schon gar nicht möchte ich selbst da leben… so war ich froh als es wieder Richtung Dublin ging
- wie fast schon zur Regel geworden, war das Wetter in Dublin bei meiner Ankunft wieder schlecht… nein, diesmal war es nicht schlecht sondern miserabel… es regnete nicht… es hagelte… ich hatte sowieso überlegt an diesem Tag noch mit dem Zug, die Ostküste der Insel entlang Richtung Süden und wieder zurück zu fahren… dies soll die schönste Bahnstrecke Irlands sein und die wollte ich mir nicht entgehen lassen… glücklicherweise hörte der Hagel aber schnell auf und so beschloss ich, mich erst noch etwas in Dublin umzuschauen… plötzlich war auch blauer Himmel und Sonnenschein – aus Erfahrung fragte ich gleich an der Bahnhofsinformation, ob das Irish National Museum an diesem Feiertag geöffnet hat… „ja“ hieß es und so machte ich mich auf den Weg… dort angekommen stand ich vor verschlossenen Türen „Closed on Monday and Bank-Holidays“… super… der nächste Schauer zog über mich hinweg, aber blauer Himmel war schon wieder in Sicht und so erkundete ich einen Park in der Nähe… sehr schön angelegt… mit vielen Denkmälern… eines davon 1997 von Roman Herzog eingeweiht: in Dankbarkeit für die Hilfe des irischen Volkes für deutsche Kinder nach dem zweiten Weltkrieg – ich traf im Park auch zwei Mal auf andere Deutsche, die gerade hier Urlaub machten... wir unterhielten uns kurz, dann ging ich weiter… ich kam dann noch an der St.Patricks Kathedrale und dem Rathaus vorbei… bei letzterem waren aber alle Führungen für diesen Tag ausgebucht und so ging ich langsam wieder Richtung Bahnhof
- dort angekommen herrschte Chaos… an der Anzeige auf dem Bahnsteig wurden immer die drei nächsten Züge angezeigt… die Reihenfolge änderte sich aber ständig… und letztlich kam kein Zug… zwei Regionalzüge und ein Fernzug wurden erwartet… nachdem alle Fahrgäste der Regionalzüge auf einen anderen Bahnsteig gelozt worden waren, kam der Zug doch an unserem Bahnsteig an… anschließend verschwand der Fernzug völlig von der Anzeige, kam aber dann mit 40-minütiger Verspätung doch noch – eigentlich wollte ich mir in aller Ruhe die Küste anschauen und nebenbei etwas essen… der Zug war aber restlos überfüllt und ich konnte mich schon glücklich schätzen einen Sitzplatz erwischt zu haben… gelegentlich sah ich zwischen den stehenden Reisenden hindurch das Meer.. schien wirklich eine schöne Strecke zu sein… schade dass ich nicht mehr davon mitbekam – mit der Zeit leerte sich der Zug dann etwas, aber da war ich bereits an der Station angekommen, an der ich aussteigen und den Gegenzug zurück nehmen wollte… als ich aber auf dem Bahnsteig stand, sah ich, dass die Strecke nur eingleisig weiterführte… ich ging zum Lokführer und fragte, ob auch der weitere Streckenverlauf sehr sehenswert sei… dieser bejahte und so nahm ich doch wieder im Zug Platz… zum Glück… denn wenn auch nicht direkt an der Küste entlang, so war doch auch dieser Teil der Strecke sehr idyllisch… an der Endstation in Gorey konnte ich gleich Sitzen bleiben und gut 20 Minuten später ging es in umgekehrter Richtung zurück
- kurz nach 22 Uhr war ich somit wieder in Dublin und machte mich auf zur Jugendherberge… die einzige in der ich während meiner Reise zwei Mal Station mache… und dieses Mal bin ich auch gleich zur Richtigen gelaufen – im Zimmer angekommen, herrschte dort schon eine rege Unterhaltung… eine Kanadierin, eine Deutsche, ein in den USA lebender Afrikaner und ein Franzose bildeten die vielseitig interessierte Runde… noch bis gegen eins wurde über alles mögliche gesprochen… es folgte der Tiefschlaf

Tag 17 – 27.05.2007 – Dublin/Belfast


- um acht Uhr begann ich diesen Tag… ich packte wieder alle meine Sachen zusammen… der Rest des Zimmers schlief noch… dann ging’s zum Frühstücken
- wie schon am Vortag regnete es in Strömen… da mein Zug nach Belfast aber erst um 10 Uhr abfuhr, hatte ich noch Zeit und beschloss trotz des Wetters entlang der Docks zu laufen… wie ich schon gelesen hatte, waren die Docks links und rechts des Liffey komplett neu gestaltet worden und viele Banken und andere große Firmen haben sich mit modernen Neubauten angesiedelt… sehenswerter wäre das ganze sicher bei schönem Wetter gewesen, aber das lies sich nun mal nicht ändern… kurz nach zehn Uhr saß ich eh schon wieder im Zug… die Landschaft auf dieser Strecke war etwas hügliger… oder kam mir zumindest so vor
- kurz nach 12 Uhr war ich bereits in Belfast… gleich am Bahnhof konnte ich mir wieder einen Stadtplan beschaffen und so machte ich mich sofort in Richtung Innenstadt auf… meine erstes Augenmerk lag dabei allerdings weniger auf Sehenswürdigkeiten als viel mehr auf der Suche nach einer Sport-Bar oder einem Pub mit Fernseher… ich wollte mir den Formel1 Grand-Prix von MonteCarlo anschauen… vor zwei Wochen war ich noch selbst da und konnte die Vorbereitungen sehen… nun wollte ich auch live den Rennverlauf verfolgen – schon nach kurzer Zeit fand ich einen Pub, in dem das Rennen zu sehen war… neben mir am Tisch… wie sollte es anders sein… ein deutsches Ehepaar… sie waren aus Berlin und verbrachten das Wochenende in Belfast – das Rennen verlief dann nicht so spannend wie erhofft… auch hatte Ferrari diesmal leider keine wirkliche Chance gegen Mercedes und so gewann Fernando Alonso vor Lewis Hamilton und Felippe Massa
- nach dem die Fürstenfamilie die Trophäen überreicht hatte, machte ich mich wieder auf, die Stadt weiter zu erkunden… sehr sehenswert sollte das Rathaus sein… aber es war Sonntag und somit nicht für Führungen geöffnet… immerhin war davor ein internationaler Markt mit Spezialitäten aus verschiedensten Ländern… allerdings auch zu „speziellen“ Preisen… eine deutsche Bratwurst sollte 3£ und der halbe Liter Bier 3,20£ kosten… da ich kurz zuvor etwas gegessen hatte, viel mir der Verzicht an dieser Stelle nicht schwer
- da sich das Sightseeing angesichts des Sonntages schwierig gestaltete, wollte ich mich in der Touristeninfo befragen, welche Museen geöffnet haben… außen am Gebäude prangte eine großes Schild „24-h Info“… damit gemeint war aber keine kompetente Beratung, sondern ein Bildschirm den man mittels Touchscreen befragen konnte… normalerweise zumindest… an diesem Tag zeigte er entweder einen Bildschirmschoner oder, so bald man ihn berührte, eine Fehlermeldung… grandios… also blieb mir nichts anderes übrig, das Stadt-Info-Heft vom Bahnhof genauer zu studieren… das Ergebnis war ernüchternd: nahe zu alle Museen hatten Sonntags geschlossen… wirklich unverständlich vor allem, da die Geschäfte geöffnet hatten… nun ja… so beschloss ich einfach so weiter durch die Stadt zu laufen und mir zumindest die berühmtesten Bauwerke anzuschauen und allgemein einen Eindruck von der Stadt zu bekommen… immerhin einige Kirchen konnte ich betreten… wobei ich in die am meisten empfohlene St.Anne Kathedrale nur hineinschlüpfen konnte, da zuvor eine Trauung stattgefunden hatte.... diese und auch die anderen Kirchen waren schön gestaltet, aber hatten in meinen Augen nichts außergewöhnliches – meine Wege führten mich dann am Theater vorbei Richtung Jugendherberge… inzwischen hatte es auch hier angefangen zu regnen und abgesehen davon, dass in der Stadt nichts los war, konnte sie mich auch optisch keinesfalls beeindrucken… bis auf die erwähnten Gebäude, gab es nur noch einen Uhrenturm, der ebenfalls schon älter war… alle anderen Gebäude waren irgendwann im 20.Jh. erbaut und hatten meist nur die Ausstrahlung von Funktionsbauten
- die Übernachtung hier kostete erfreulicherweise nur 9£, also ca. 14€… dafür war man aber in einem Sechsmannzimmer untergebracht, in dem drei Doppelstockbetten, ein Waschbecken und ein Fenster, in Größe eines Fernsehers, auf 10m² untergebracht waren… hier konnte ich mir einen Eindruck verschaffen, wie man sich wahrscheinlich in einer Gefängniszelle fühlt
- nachdem ich mein Bett in der Jugendherberge bezogen hatte, machte ich mich nochmals auf den Weg… ich wollte noch den Stadtteil nördlich der Jugendherberge, rund um die Universität erkunden… immerhin dieses Gebiet war etwas sehenswerter… die meisten Universitätsgebäude stammen aus dem 16.Jh., einige sind erst Anfang des 20 Jahrhunderts hinzugekommen… dementsprechend sind auch die meisten umliegenden Straßenzüge schon älter und schöner anzusehen… auch der Universitätspark mit seinem Tropenhaus ist schön angelegt und sehr gepflegt - von dort aus wollte ich zum Fluss, um an dessen Ufer entlang Richtung Zentrum zu laufen… wie ich aber am Flussufer ankam, viel mir gleich eine Gruppe von wahrscheinlich fünf Jugendlichen in ca. 150m Entfernung auf… die waren mir vom ersten Augenblick an nicht geheuer und als ich sah, dass sie vorbeifahrende Autos belästigten, trat ich gedanklich schon den Rückzug an… allerdings wollte ich das auch nicht zu auffällig gestalten und da sie sich gerade in die von mir abgewandte Richtung bewegten, versuchte ich hinter einem Baum zu warten… diese Idee gab ich auch, als sie begannen in meine Richtung zu gehen… ich setzte mich prompt in Bewegung, überquerte die Uferstraße wieder und steuerte Richtung der Treppe, über die ich gekommen war… ich hatte sie noch nicht ganz erreicht, da schlitterte neben mir bremsend ein Fahrrad vorbei und herunter sprang eine Art Menschenaffe… rein äußerlich ähnelte er einem Menschen… sein Verstand entsprach aber eher dem eines Schimpansen… er ließ sein Fahrrad liegen, kam auf mich zugestürmt und fragte unentwegt, was ich fotografiert habe (meine Kamera hatte ich umhängen, sämtliches anderes Gepäck hatte ich auch bei mir)… ich tat so, als würde ich ihn nicht verstehen, kein Englisch sprechen und sagte ihm ein paar mal auf Deutsch, dass ich im Urlaub sei… er sprang leicht geduckt neben mir hin und her und wiederholte unentwegt seine Frage… ich besann mich dann ihm zumindest ein englisches Wort zu offenbaren und antwortete ab dem Zeitpunkt auf alles nur noch mit „vacation“… so richtig wollte ihm das auch nicht passen und er wollte meine Kamera haben… um diesen Anspruch durchzusetzen sprang er weiter um mich geduckt um mich herum, ballte seine rechte Faust und deutete an, mich damit schlagen zu wollen… ich wiederholte für ihn währenddessen immer mein „vacation“ und versuchte mich weiter Richtung Treppe und dann selbige hinauf zu bewegen… Wohl war mir in dem Moment bei weitem nicht zu Mute, aber mehr Angst als vor ihm hatte ich eigentlich vor der restlichen Schar… nachdem wir schließlich beide oben an der Treppe angekommen waren und seine Versuche bisher erfolglos waren, versuchte er noch beschwichtigend mit seiner andren Hand auf seine geballte Faust und anschließend auf mich zu deuten… was genau während der ganzen Zeit in mir vorging weiß ich nicht… ich weiß nur, seine Faust war nicht so bedrohlich, wie die Sorge um meine Kamera und das Notebook… jedenfalls blieb ich bei meinem „vacation“ und versuchte mich weiter die Straße entlang zu bewegen… glücklicherweise, scheute er offensichtlich davor zurück wirklich physische Gewalt zu gebrauchen und so ließ er mich letztlich weiter schimpfend davonziehen… kaum aus seiner Nähe entschwunden, beschleunigte ich meinen Gang, so sehr es denn mit diesem Gewicht ging… ich blickte mich noch einige Male um, aber seine „Freunde“ schienen nicht mehr zu kommen... so ging ich denn ziemlich erleichtert, da wieder unter andere Menschen, den Weg den ich gekommen war zurück
- ich hatte mir vorgenommen, an diesem Abend endlich mal wieder ins Kino zu gehen… ich habe keinen einzigen Film auf meinem Notebook und hatte außer dem Championsleague-Endspiel und dem Formel1-Rennen seit über zwei Wochen keine bewegten Bilder mehr gesehen... Entzugserscheinungen – die Filmauswahl im Universitätskino hatte mir nicht behagt, aber auch im Kino in der Stadt tat ich mich ziemlich schwer… „Fluch der Karibik – Teil 3“ hatte bereits begonnen, als ich ankam und die anderen Filmtitel waren mir unbekannt… auch nachdem Durchlesen der Kurzbeschreibungen war ich nicht entschlossener und so verließ ich das Kino wieder… wollte schon den Heimweg antreten… draußen aber fiel mir ein Filmplakat ins Auge, auf dem von einer Golden Globe und dem „besten Score“ die Rede war… bei dem Film handelte es sich, um „The Painted Vail“, die Verfilmung einer Novelle von W. Somerset Maugham… Produzenten und in den Hauptrollen: Edward Norton und Naomi Watts… da ich mir Filme teilweise schon nur durch den Soundtrack gefallen, entschloss ich mich also, diesen Film anzuschauen… eine Entscheidung, die ich auch nicht bereut habe... der Film ist sicher kein Kassenschlagen, aber doch sehenswert
- anschließend… es war mittlerweile nach 23 Uhr… ging ich direkt zurück zur Jugendherberge… diese war eh nur drei Straßenecken vom Kino entfernt… ich freute mich schon auf mein Bett… doch mit entsetzen musste ich feststellen, dass selbiges schon belegt war... irgendjemand lag in dem Bett, dass ich selbst bezogen hatte… ich wäre nicht so entsetzt gewesen, wenn noch andere neue Betten frei gewesen wären… aber bis auf eines, waren alle Betten belegt und in diesem hatte offensichtlich schon jemand eine Nacht verbracht… es war ganz sicher nicht frisch bezogen… nach kurzer Überlegung breitete ich die Decke über das ganze Bett aus und legte mich voll angekleidet in Rückenlage darauf… so konnte ich wenigstens schlafen, denn eine andere Alternative gab es hier nicht

Dienstag, 29. Mai 2007

Tag 16 – 26.05.2007 – Cork/Dublin


- an diesem Morgen hatte ich mir keinen Wecker gestellt… ungünstiger Weise hatten meine Zimmergenossen aber die Vorhänge zugezogen und waren alle extreme Langschläfer… diese Spezies hatte ich bisher kaum angetroffen… die meisten Gäste in den Jugendherbergen rafften sich spätestens halb neun aus ihren Betten… nun ja – an diesem Tag jedenfalls wurde ich erst halb zehn wach… viel später als geplant, denn eigentlich wollte gegen 9 Uhr loswandern… ich beeilte mich, so gut es ging und so war ich kurz vor 10 Uhr mit Sack und Pack wieder unterwegs
- am Tag zuvor hatte ich auf einer Ansichtskarte die Burgruine von Barnley gesehen… eine Touristenattraktion nur 7km von Cork entfernt… ich hatte beschlossen diese Strecke zu wandern, denn diese Distanz war schließlich nur ein Bruchteil dessen, was ich tagtäglich in den Innenstädten absolvierte… der Herbergsvater hatte mir eine „etwas längere, aber schönere Route“ erklärt… die Strecke, die sich bei nochmaligem Fragen unterwegs noch leicht änderte, war wirklich sehr schön… allerdings brauchte ich reichliche zwei Stunden bis zum Ziel… trotz sehr straffen und teils beschwerlichen Schrittes… hier wurde mir auch bewusst, dass es doch noch ein Unterschied ist, ob man sich mit diesem voll bepackten Rucksack in Städten und somit meist fast im Ebenen aufhält oder ob man damit ständig Berg auf und Berg ab unterwegs ist – mein Weg führte mich erst entlang einer schmalen Straße, an deren Rand in größeren Abständen die Stationen des Leidensweg Christi’s auf jeweils einem Stein an einer Mauer dargestellt waren… etwas später kam ich dann durch zwei kleinere Dörfer… dabei kam ich erst an zwei Grundstücken mit offenen Eingangstoren vorbei… in der Einfahrt lag jeweils ein großer Hund, der sich durch meine Anwesenheit nicht im geringsten Stören lies… ganz anders drei später folgende Grundstücke… die Einfahrtstore waren jeweils geschlossen und dahinter schoss irgend ein kleines Hundefell auf und ab und bellte und kläffte noch Minuten nachdem ich das Grundstück passiert hatte
- Blarney Castle selbst war den Weg wert… von der früheren Burg war der gesamte Hauptteil, ein großer, fast viereckiger Wohnturm noch erhalten… über zwei Wendeltreppen konnten alle Räume des Turmes erklommen werden… einzig das Dach und die ehemals hölzernen Decken zwischen Hauptwohnraum, Speisesaal und Kapelle fehlten – auf dem obersten Rundgang des Turmes standen die Besucher an, um auf dem Rücken liegend kopfüber die Turmwand zu küssen… dabei wurden sie für Trinkgeld von einem Mann festgehalten und außerdem fotografiert… das Foto konnten sie dann auch noch erwerben – wer auch immer sich diesen Schwachsinn hat einfallen lassen, verdient daran jedenfalls sehr gut… das Prinzip werde ich mir merken… wenn man schon mal eine Touristenattraktion vermarktet, dann erfindet man einfach noch einen völlig absurden Schwachsinn dazu aus, fotografiert die Besucher dabei und verkauft die Fotos für teuer Geld
- In der Burg und dem umliegenden Gelände habe ich mich reichlich zwei Stunden aufgehalten… inzwischen hatte es begonnen zu regnen… ich hatte einen Einheimischen nach dem kürzesten Weg zurück nach Cork gefragt, traf an der ersten Ecke aber an einen gerade haltenden Bus und zog diesen dann dem Fußmarsch vor
- In Cork angekommen blieben mir bei dem Regemwetter nicht viele Alternativen… so suchte ich ein Internetcafe auf und aktualisierte den Tags zuvor geposteten Blog… ich hatte ihn abgesendet ohne zu merken, dass einige Begriffe noch fehlten… nebenbei erfuhr ich das Nürnberg Deutscher Pokalsieger geworden ist und damit erstmals seit Jahren wieder einen Titel geholt und auch noch erfolgreicher als der FC Bayern ist
- Mit dem Zug um halb sechs machte ich mich wieder Richtung Dublin auf… im Zug schrieb ich weiter an meinem Blog und genoss die Aussicht auf die verregnete Landschaft… halb neun in Dublin angekommen, ergoss sich auch hier der Himmel noch weiter und so nahm ich den direkten Weg zur Jugendherberge… diesmal hatte ich mir tags zuvor schon die genaue Adresse per Internet ermittelt und im Stadtplan eingezeichnet…. Verwunderlicherweise ist mir mitten in der Stadt an einem kleinen Parkteich ein Graureiher begegnet… wie sich dieser wohl dahin verlaufen hat
- An dieser Stelle mal ein Lob auf meine Wind- und Regenjacke… sie hält wirklich was ihr Name verspricht… auch bei starkem Regen blieb ich unter Kapuze und Jacke angenehm trocken und warm – ebenfalls trocken blieben auch meine Füße immer… diesbezüglich sind die Schuhe super… bezogen auf ihre Geräusche steht mittlerweile aber kein Schuh dem anderen nach und ist jeder meiner Schritte deutlich hörbar… sich von hinten anschleichen und alte Frauen überfallen, geht jetzt nicht mehr… hatte ich bisher zwar auch nicht nötig, aber man weiß ja nie, was noch kommt ;-)
- In der Jugendherberge angekommen, konnten diese meine Reservierung nicht finden… auch meine Buchungsnummer half nicht weiter… da keine kostenlosen Internetzugänge verfügbar waren, musste ich warten bis ein PC frei war und gegen Bezahlung meine Mails nochmals abrufen… wie inzwischen schon vermutet lag der Fehler bei mir… nicht das ich wieder für den falschen Tag gebucht hatte, wie in Sevilla… nein, diesmal befand ich mich in der falschen Jugendherberge.. zwar hatte ich deren Link in meinen Reiseunterlagen gespeichert, aber in einer anderen Herberge reserviert… nachdem ich auch deren Standort in meiner Karte ausfindig gemacht hatte, machte ich mich abermals auf in den Regen… nach wenigen Minuten war ich dann endlich an der richtigen Adresse… in meinem Achter-Zimmer angekommen, konnte ich dann feststellen, dass das Zimmer voll belegt und ich der einzige Gast meines Geschlechtes war… die Damenschaft traf aber erst gegen zwei Uhr morgens ein… bis dahin war jedes Interesse meinerseits im Tiefschlaf versunken

Tag 15 – 25.05.2007 – Glasgow/Dublin/Cork


- um halb sechs Uhr morgens ertönte mein Wecker an diesem Tag… wenn auch sehr früh, so wurde ich doch mitten in einer Traumphase und somit sanft geweckt… ich wollte den Zug 6:30 Uhr oder spätestens 7:00 Uhr erwischen, um rechtzeitig auf dem Flughafen zu sein… eine Dreiviertelstunde dauert die Fahrt und um 9:10 Uhr sollte mein Flug nach Dublin starten
- mein morgendlicher Badaufenthalt und das Zusammenpacken benötigte doch etwas länger als vermutet, so dass ich es auf meinem Fußmarsch zum Bahnhof ruhig angehen und auf den späteren Zug orientieren konnte… überrascht wurde ich dann am Bahnhof selbst… die Bahnhofsuhr zeigte 5:40 Uhr und mir wurde klar, dass ich meinen Wecker nach Handy-Zeit also deutscher Zeit und somit eine Stunde zu früh gestellt hatte… na immer noch besser als zu spät – im Zug waren diesmal gleich zwei Schaffner unterwegs, die beide jeweils die Fahrkarten kontrollierten… vielleicht ein Indiz auf das Vorurteil, die Schotten seien geizig… wobei zwei Schaffner mehr Kosten verursachen, als ein Schwarzfahrer
- überpünktlich am Flughafen konnte ich fast problemlos einchecken… diesmal wurde mein Rucksack allerdings gewogen und war trotz Entnahme meiner Kamera immer noch über ein Kilo zu schwer… ich sollte noch etwas herausnehmen, was sehr sinnvoll war, da ich es ja anschließend eh wieder einpackte, dann bekam ich meine Bordkarte
- einige Zeit später in der Boarding-Lounge befand ich mich plötzlich unter einer Hundertschaft der US-Army… wenn diese jetzt schon mit Billigfluglinien ihren Standort wechseln, dann steht es um deren Ausstattung sogar noch schlechter, als eh schon angenommen… was entgegen der Loung im Lissaboner Flughafen fehlten waren schöne Frauen… die war umso verwunderlicher, da mir die letzten Tage in Großbritannien doch ständig welche über den Weg gelaufen sind… soviel attraktive Frauen hätte ich hier nicht erwartet… nach einigem Nachdenken wurde mir aber klar, dass dies nur ein Beispiel für Darwins Evolutionstheorie ist… die britischen Frauen können nicht kochen, also müssen sie die Männerwelt anderweitig beeindrucken… so zum Beispiel durch optische Anreize… fraglich ist nur, was von beiden Ursache und was Folge ist… waren die Frauen hier schon immer schön und mussten sich somit nie ums kochen bemühen oder ist es ihnen trotz Anstrengung über Jahrhunderte nicht gelungen eine vernünftige Mahlzeit zu Stande zu bringen und sie haben somit ihre Schönheit und Ausstrahlung entwickelt
- auch dieser Flug ist wieder leicht verspätet gestartet, verlief dann aber problemlos… bei nur leicht bewölktem Himmel bot sich nach dem Start ein beeindruckender Blick über die schottische Küstenlinie, eine mir nicht bekannte Insel und schließlich Dublin – um vom Flughafen in die Stadt zu kommen, musste ich den Airportbus nehmen… der war hier doppelt so teuer, wie in Lissabon… laut Tourismusinfo musste ich zum Bahnhof Dublin Heuston, um nach Cork weiter zu fahren… als der Bus nach 20 Minuten vor einem Bahnhof hielt und ich am Schild Heusten las, sprang ich sofort raus… im Bahnhof selbst fragte ich dann nach einem Zug nach Cork und erfuhr, dass ich am Bahnhof Dublin Connolly war… auf dem Schild, welches ich gelesen hatte, war wohl nur die Bus-Linie angeschrieben und diese ging nun mal nach Dublin Heuston… allerdings ohne mich – Zeit hatte ich eigentlich genug und so machte ich mich zu Fuß zum anderen Bahnhof auf… nach gut einer halben Stunde und zwei Minuten bevor ein Zug nach Cork abfuhr, kam ich dort an… ich erwischte den Zug gerade noch und war schon kurz nach 15 Uhr in Cork
- vom Bahnhof aus machte ich mich dort Richtung Innenstadt auf… ein richtiges Ziel hatte ich nicht, da ich weder wusste, wo meine Jugendherberge war, als auch keinerlei Sehenswürdigkeiten kannte – als erstes steuerte ich wieder einige Kirchen an… teilweise noch relativ neu gestaltet, waren diese relativ schlicht… in jeder Kirche war aber rings um an den Wänden der Leidensweg Christi dargestellt – auf meinem Weg ins Zentrum wurde ich dann Zeuge von irischem Wahlkampf… allerdings bekam ich davon nur einen Teil mit… kein TV-Duell oder Wahlkampfrede… sondern „Wahlhelfer“ die mit Messern an Teleskopstilen unterwegs waren… sie gingen damit die Straßen ab und holten die Wahlplakate der „anderen“ Kandidaten wieder von den Laternenmasten herunter
- die Innenstadt von Cork enthält nur wenige größere Bauten… die meisten Häuser sind maximal dreigeschossig… in fast jeden Haus befindet sich ein Laden oder Pub und die Straßen sind voll von Menschen… nicht nur von Menschen, sondern auch voll von Autos… trotz großteils Einbahnstraßen, konnte man fast nirgends von „fahren“ sprechen… durch die ganze Innenstadt stauten sich die Autos - durch einen glücklichen Zufall fand ich gleich beim ersten Versuch gegenüber eines Restaurants einen kostenlosen Internetzugang und so konnte ich den Standort meiner Jugendherberge ausfindig machen und seit zwei Tagen endlich wieder mein Blog updaten und meine Mails abrufen – anschließend erkundete ich weiter die Innenstad
- erst gegen 21 Uhr kam ich in der Jugendherberge an…. In einem Supermarkt hatte ich mir zuvor ein Stück Seife gekauft… nach Waschmittel in einer Reisetube hatte ich die letzten Tage vergeblich gesucht und so musste ich es jetzt mit normaler Seife versuchen… Wäsche hatte sich einiges angesammelt und so war bei mir großer Waschtag… da ich auch meine beiden Hemden mit gewaschen hatte, konnte ich anschließend die Jugendherberge nicht mehr verlassen… statt dessen wurde ich Beobachter einer möglicherweise aus Japan stammenden Krankheit… nach BSE und H5N1 werden wir jetzt wahrscheinlich durch eine Klatsch-Epedemie bedroht… im Garten der Jugendherberge lief jedenfalls eine Viertelstunde lang eine Japanerin auf und ab und applaudierte die ganze Zeit…warum sie das Tat war nicht ersichtlich und wahrscheinlich wusste sie das selbst nicht… ich auf jeden Fall wollte versuchen, mich nicht anzustecken
- von schottischem Geiz hatte ich ja schon gehört und ihn auch vorhin bereits erwähnt… von irischem Geiz war mir hingegen bisher noch nichts bekannt… aber etwas derart sparsames wie die Dusche in dieser Jugendherberge hatte ich noch nicht gesehen… Wasser kam nur, solange man einen Knopf gedrückt hielt… die Temperatur ließ sich nicht regulieren und ebenso der Duschkopf nicht verstellen… somit war man, wenn denn überhaupt Wasser kam, der Temperatur wahllos ausgeliefert… das bedeutete am Anfang war es A…. kalt, dann wurde es nach einer Weile für kurze Zeit angenehm warm… und anschließend hatte sich die Leitung so aufgeheizt, dass einem nur noch kochend heiße Brühe entgegen kam… so wenig Wasser wie da, braucht man wirklich nirgends anders zum Duschen
- nachdem ich noch etwas von der „Blechtrommel“ angehört hatte, legte ich mich kurz nach 23 Uhr schlafen… nachdem ich noch etwas von der „Blechtrommel“ angehört hatte, legte ich mich kurz nach 23 Uhr schlafen

Tag 14 – 24.05.2007 – Edinburgh/Glasgow


- um halb acht holte mich mein Handywecker an diesem Tag aus dem Schlaf… ich bestückte meinen Rucksack, bis er wieder sein „Glanzgewicht“ hatte und begab mich zum Frühstück… ich hatte meine Teller mäßig bestückt und wollte mir gerade etwas zu trinken holen, als mich eine Angestellte fragte, ob ich kontinental oder schottisch zu frühstücken gedachte… das eine sollte mich 2,70£ das andere 4,50£ kosten… einigermaßen schockiert, blieb ich beim kontinentalen Frühstück, ging diesmal aber noch drei weitere Male zum Buffet… trotzdem empfand ich es als eine Frechheit, wie man 20£ für eine Übernachtung ohne Frühstück verlangen kann… immerhin sind das fast 30€
- gut gestärkt machte ich mich dann auf zum Edinburgh-Castle… ich wählte aber nicht den direkten Weg sondern ging die Royal Mile erstmal in entgegengesetzter Richtung bis ans Ende, um mir noch den Palace of Holyroodhouse und den Neubau des schottischen Parlamentes anzuschauen… diese beiden völlig unterschiedlichen Bauten und in nächster Nähe noch ein schräg aus dem Erdboden hervorragender Hügel sind sehr harmonisch anzuschauen… ein weiterer Teil der Stadt, der mir sehr gefiel
- anschließend gings dann wirklich zum Castle ... an der Kasse wurde ich abermals negativ überrascht… statt den Vortags wahrgenommenen 9€ Eintritt für Studenten, gab es für diese gar keine Ermäßigung… also musste ich die vollen 11€ Eintritt zahlen, nahm aber auch den Audioguide für weitere 3€ mit… irgendwie rutschte ich dann gemeinsam mit einer Touristengruppe durch den Eingang, wodurch meine Eintrittskarte unversehrt blieb… der Audioguide erwies sich als sehr informativ… ich hielt mich reichlich vier Stunden in dem Burgkomplex auf und die meiste Zeit davon erklärte mir eine sympathische Frauenstimme die Entwicklung der einzelnen Burgteile und deren Zusammenhang mit der schottischen und englischen Geschichte – in der Burg sind zusätzlich das schottische Militärmuseum, das Museum der Royal Scotsman und der Royal Guard untergebracht… allein für diese Ausstellungen hätte man getrost einen ganzen Tag aufwenden können… ich durchwanderte sie etwas zügiger und konnte somit immerhin mitbekommen, dass die Royal Guard der erste heute noch existente Teil der britischen Armee ist und das Musikchor der Royal Guard 1973 einen Welterfolg mit Amazing Grace feierte
- gegen 15 Uhr saß ich, etwas später als geplant, im Zug nach Glasgow… dort kam ich im Regen an… zum ersten Mal seit 14 Tagen musste ich gebrauch vom Regenschutz meines Rucksacks machen… meine Regenjacke samt Kapuze erledigten den Rest und so ging es unbeirrt durch Glasgow… da sich bei dem Regenwetter schlecht nach kostenlosen Internetzugängen im Freien suchen ließ, ging ich in die Touristeninfo… dort war eine Dame so nett, ermittelte aus dem Link zur Jugendherberge (allem was ich hatte), die genaue Adresse und zeichnete sie mir auf dem Stadtplan ein… direkt zur Jugendherberge wollte ich noch nicht… sie lag etwas abseits und ich hatte nur diese paar Abendstunden in Glasgow Zeit… mit Sightseeing stands auf Grund des Wetters aber auch ungünstig und so besuchte ich eine Architektur- und Designausstellung einer Gruppe junger Künstler im Zentrum Glasgows… die Ausstellung war interessant, allerdings hätte ich mir mehr Ausstellungsobjekte erwartet… nach einer reichlichen Stunde war für diesen Tag Veranstaltungsschluss und ich musste wieder in den Regen… einen ersten Eindruck einer Stadt bekommt man meist in und um die wichtigste Kirche/Kathedrale… also machte ich mich durch die Innenstadt auf zur Glasgow Cathedral… kurz vor Toresschluss konnte ich mir auch diese noch anschauen… interessanter als die Kirche selbst war der riesige Friedhof nebenan… direkt um die Kirche war der Rasen übersäht mit teils überwachsenen, unleserlichen Grabplatten… zusammen mit einige verfallenen größeren Grabmälern an der Friedhofsmauer, wirkten sie bei diesem grauen Regenwetter irgendwie unheimlich und anziehend zugleich… so versuchte ich auf diesem Friedhof einige Grabinschriften zu entziffern und die Atmosphäre wirken zu lassen… in Fotos ließ sich das nicht erfassen… oder zumindest hatte ich an diesem Tag und bei diesem Wetter keine Lust es zu versuchen… durch eine Straße getrennt lag in der Nähe ein weiterer viel größerer Friedhof… auf einem Hügel… riesige Grabmäler, Säulen und Mausoleen… über eine Brücke erreichte ich auch dieses Gelände und machte mich auf den Gipfel des kleinen Berges zu erklimmen… am höchsten Punkt stand eine alles überragende Säule in Gedenken an John Knoxx, den Martin Luther Großbritanniens… hoch über der Stadt hat dieses Monument als auch der ganze Friedhof einen außergewöhnlichen Platz… so stand ich dort… Stille… nur fern hallender Straßenlärm… die ganze Stadt überblickend… in Gedanken an frühere Zeiten, über die ich Stunden zuvor in Edinburgh soviel gehört hatte - alles ist vergänglich… das wurde einem hier mehr denn irgendwo anders bewusst… warum bin ich eigentlich hier… wie viel zeit bleibt mir mit meinen Großeltern… meiner Familie… Freunden… sind sie sich des Sinns Ihres Lebens sicher… jeder muss ihn für sich selbst finden… und der eigenen Unsicherheit bewusst, traut man sich kaum danach zu Fragen
- mit noch nachwirkenden Gedanken machte ich mich wieder Richtung Innenstadt auf… der Regen lies etwas nach… im Zentrum kaufte ich noch eine kleine Schachtel Nivea-Creme… fast 14 Tage lang verschont, hatte sich doch seit gestern die erste Blase zu mir gesellt… für alle die anatomisch stärker interessiert sind: sie befindet sich zwischen großer und nebenstehender Zehe… halb im Zehzwischenraum, halb an der Fußsohle… ungefähr Erbsen-groß… schon zwei Tage zuvor hatte ich an dieser Stelle etwas gespürt, aber noch nichts gesehen… seit gestern war die Blase nun auch erkennbar, machte sich beim Laufen aber kaum bemerkbar – ganz anders meine Schuhe… mit der Schnürung habe ich schon seit meinem zweiten oder dritten Tag des öfteren Probleme… häufiger fühlten sich die Mittelfüße durch die Schnürsenkel eingeengt an… ich konnte die Schnürung aber nur unwesentlich lockern zumal sie sich beim Laufen oben weiter ausweitete und Richtung Zehen wieder verengte, was dem Ursprungszustand entsprach… unterm Strich bemerkte ich das Drücken der Schnürung aber nur zwei, drei Mal am Tag und hatte sonst beim Laufen keine Probleme… wohl dem - aber: seit York quietschen meine Schuhe beim Laufen… angefangen hatte es mit dem Linken… auf dem Weg vom Stadtzentrum zur Jugendherberge in York verursachte plötzlich fast jeder zweite Schritt ein Geräusch… sofort erinnerte ich mich mit Schrecken an einen Internetkommentar zu einem anderen Schuh der gleichen Firma… dort waren ebensolche Geräusche erwähnt worden… anfangs versuchte ich noch herauszufinden, ob die Geräusche nun von der Verse des linken oder dem Fußballen des rechten Schuhes verursacht wurden… später war das Geräusch mal wieder weg oder ich überhörte es schlicht weg
- gegen 21 Uhr kam ich in der Nähe der Jugendherberge von Glasgow an… da inzwischen der Regen aufgehört hatte und unter den tief hängenden Wolken, die noch tiefer stehende Sonne hindurch schien ging ich nicht direkt zur Jugendherberge sondern erkundete erst noch einen nahe liegenden Park… dort machte ich unter anderem mit dem Monument eines Generals Bekanntschaft der 82 jährig beim Besuch seiner Truppen im November 1914 verstorben ist… welch Glück für ihn, dass ihm der folgende Stellungskrieg erspart blieb
- gegen halb zwölf versank ich schließlich in der Jugendherberge in meinen wohlverdienten Schlaf

Freitag, 25. Mai 2007

Tag 13 – 23.05.2007 – York/Edinburgh


- an diesem Morgen bin ich gegen sieben aufgestanden, habe für meine „teures“ Geld zumindest ausgiebig gefrühstückt und bin dann Richtung Bahnhof losgelaufen… in Gedanken war ich immer noch unschlüssig, ob ich sofort nach Edinburgh fahren oder erst noch einen Blick in das National Railway Museum werfen sollte… dieses öffnete aber erst um zehn… da es bis dahin nur noch 20 Minuten waren, beschloss ich meine Weiterfahrt noch etwas zu verschieben und wartete vorm Museum… fünf nach zehn tat sich immer noch nichts an der Eingangstür und ich musste feststellen, dass ich mich bzgl. der Öffnungszeiten an meinen Uhren orientiert hatte… diese zeigten aber alle noch deutsche Zeit an, da ich um nicht aller paar Tage umzudenken auf ein Umstellen verzichtet hatte… somit stand ich wieder vor der Wahl Warten oder Fahren… und ich wartete… Punkt 10 Uhr drängte ich dann mit einigen anderen in die Ausstellungshallen… gut zwei Stunden verbrachte ich zwischen der Unmenge an Ausstellungsstücken… es sind dort Loks und Waggons aller Art und allen Alters ausgestellt, aber auch alles andere was mit der Bahn zu tun hat, wird erläutert… außerdem sind in einem großen Bereich regaleweise alle möglichen Gegenstände zusammengetragen, die mit dem Thema zu tun haben… Bahnhofsuhren, Zugschilder, Lokmodelle, Zugausstattungsgegenstände usw. usf….
- kurz vor zwölf wollte ich eigentlich nach Edinburgh weiterfahren… ich brauchte aber im Gehen zu viel Zeit im Museumsshop, um mich für einige Ansichtskarten zu entscheiden… so sah ich meinen anvisierten Zug nur noch aus der Ferne bei der Abfahrt und musste eine halbe Stunde wartend auf dem Bahnsteig zubringen… dies führte zu innerem Unbehagen, vor allem da ich in der kurzen Zeit nur Teile des Eisenbahnmuseums und auch diese nur flüchtig besuchen konnte… besser wäre es wahrscheinlich gewesen gleich am Morgen nach Edinburgh weiterzufahren… aber hinterher ist man meistens schlauer
- kurz nach 15 Uhr kam ich in Edinburgh an… an der Touristeninfo bekam ich wieder einen Stadtplan und ließ mir gleich einzeichnen, wo meine Jugendherberge lag... diesmal wählte ich den direkten Weg, um zumindest einen Teil meines Gepäcks ablegen zu können… auch wenn ich kaum Übereinstimmung zwischen den Straßennamen des Stadtplanes und den ausgezeichneten Namen finden konnte, fand ich doch sehr schnell zur Jugendherberge… ich beglich den offenen Betrag für die Nacht, ging auf mein Zimmer und erleichterte meinen Rucksack, um alles außer Kamera und Notebook
- von neuer Leichtigkeit beflügelt machte ich mich wieder auf in die Stadt… es waren ca. 15-20°C, starke Bewölkung mit nur gelegentlich etwas Sonne und es wehte ein kräftiger Wind… auf Grund der Temperaturen war ich anfangs mit Langarmhemd und Windjacke ausreichend gekleidet, erst später am Abend zog ich noch meine Fleece-Jacke darunter… damit kam ich mir allerdings angesichts der Einheimigen völlig verweichlicht vor… die meisten Passanten auf der Straße waren kurzärmlich gekleidet und gar eine Jacke hatte fast keiner an… davon ausgegangen sind dies hier wahrscheinlich wirklich schon fast sommerhafte Wetterverhältnisse… schreckliche Vorstellung… interessant wird sein, ob sich bei fortschreitender Erderwärmung die Kleidungsgewohnheiten den unsrigen anpassen oder ob hier dann alle nur noch im Lendenschurz herumrennen J
- als erstes hatte ich mich in Richtung Edinburgh Castle aufgemacht… da ich aber doch einige Zeit durch die Stadt gebraucht hatte, kam ich erst reichlich eine Stunde vor Schließung an, für 11€ Eintritt war mir das etwas zu knapp und so beschloss ich, die Besichtigung auf den nächsten Vormittag zu verschieben… ich schlenderte weiter durch die Straßen Edinburghs… das Stadtbild hier ist ungewohnt, gefällt mir aber besser als in England… die Straßen sind von meist sehr hohen grau bis schwarzen Backsteinhäusern gesäumt… in der Altstadt entlang der Royal Mile zwischen Castle und Queens…, einem Sitz des britischen Königshauses ist das Gelände sehr uneben, es gibt viele kleine Gassen, die häufig steil hinauf oder hinunter führen… in den meisten Häusern sind kleine Geschäfte oder Pubs im Erdgeschoss… nur die Autos passen irgendwie nicht ganz ins Straßenbild… auf der anderen Seite vom Bahnhof liegt der jüngere kregorianisch angelegte Stadtteil… hier gibt es viele Plätze, die Straßen sind alle sehr breit und die Häuser sind groß und prächtig gebaut
- nachdem ich die beiden schönsten Stadtteile erkundet hatte, erklomm ich den Hügel, auf dem das Nelson-Monument steht und von dem aus man die Stadt nach allen Seiten hin überblicken kann… ein interessanter Ausblick… ich sah die äußeren Stadtteile, von denen ich mir kein Bild machen konnte, den Hafen, sah die Flussmündung des ??????, ein paar Schiffe, einige kleine Inseln und viele Hügel und Berge am Horizont
- es war bereits nach acht und die Sonne stand noch relativ hoch über dem Horizont… ich machte mich zurück zur Jugendherberge auf, um dort das Championsleague-Endspiel zu verfolgen… ungünstigerweise gab es dort aber gerade Probleme mit dem Fernseher und so machte ich auf der Schwelle wieder kehrt und ging wieder Richtung Stadt… aber schon 500m weiter in einem Einkaufszentrum mit mehreren Restaurants und Kneipen fand ich ein gemütliches Plätzchen, von dem aus ich das Spiel verfolgen konnte… außerdem konnte ich die Zeit nebenbei nutzen, um weitere Fotos auf mein Notebook zu überspielen – der Ausgang des Spiels entsprach dann nicht ganz meinen Preferenzen, aber Liverpool hat einfach mind. ein Tor zu wenig geschossen… schade – bei der Gelegenheit fällt mir aber gleich wieder ein, dass am letzten Sonntag Jena den Klassenerhalt in der zweiten Bundesliga geschafft hat J ich glaube, dass hatte ich bisher nicht erwähnt
- nachdem das Championsleague-Endspiel vorüber und sowohl Champagner als auch Tränen vergossen waren, machte ich mich zum zweiten Mal auf den Hügel mit dem Nelson-Monument zu erklimmen… inzwischen lag die Stadt in der Abenddämmerung und es war fast dunkel… in diesem Licht erhoffte ich mir noch schöne Fotomotiv - der Blick über die erleuchtete Stadt war wirklich toll und so wählte ich auch runterwärts nicht den direkten Weg zur Jugendherberge, sondern ging fast meine ganze Runde durch die zwei historischen Stadtteile noch einmal ab… gegen halb zwölf kam ich dann endlich in der Jugendherberge an… ich versorgte meine elektrischen Geräte alle mit neuem Strom, genoss die Vorzüge einer Dusche und legte mich Schlafen
- zuvor hatte ich noch kurz Bekanntschaft mit einem Taiwanesen gemacht, der für einen Monat in Großbritannien unterwegs war

Tag 12 – 23.05.2007 – York


- mit dem 9:30 Uhr-Zug bin ich in London Kingscross gestartet und war schon kurz nach 11Uhr in York… an der Touristeninfo bekam ich einen Stadtplan und ließ mir erklären, wie ich am schnellsten zur Jugendherberge komme… diese war nur 20 Minuten vom Bahnhof entfernt… aber da ich kurz nach dem Bahnhof die alte Stadtmauer von York unterqueren musste, beschloss ich nicht erst zur Jugendherberge zu gehen, sondern mich sofort auf Erkundungstour zu begeben…
- ich lief den gesamten, fast vollständig erhaltenen Stadtmauerring von York ab und konnte durch Informationstafeln einiges über die Geschichte der Stadt erfahren… auf diese Weise verging bei fast wolkenlosem Himmel der frühe Nachmittag – allerorts sichtbar war dabei die typisch englische Ziegelbauweise… überall strahlten mir diese roten Fassaden entgegen, die die Häuser optisch noch kleiner machen, als sie eh schon sind… ich mag diese Farbe bzw. den Baustil nicht… auch in nördlichen Deutschland empfinde ich ihn als unschön… dadurch machten viele Häuser auf mich den Eindruck von geräumigen Hundehütten… zumal meisten ganze Straßenzüge ein Haus am anderen klebte und sich in dieser Straße oder teilweise im ganzen Wohngebiet keines vom anderen Unterschied… ein Wohngefühl als hätte man einen unserer Neubaublöcke einfach flach auf die Erde gelegt… anfangs bildeten nur einzelne freistehende und größere Häuser positive Ausnahmen aus dieser Tristes, später fand ich aber auch noch schöner anmutende neuere Ziegeleinfamilienhäuser
- erst gegen 16Uhr hatte ich die Stadt umrundet und lenkte meine Schritte durch den Altstadtkern… ein Großteil der Häuser ist noch original aus dem Spätmittelalter erhalten… so wandelt man zwischen schmalen Gassen, überhängenden Fassaden, schiefen Fenstern und kleinen Plätzen umher… Hauptattraktion ist aber das York-Minster (1472)… im Vergleich zu den in den südlichen Ländern gesehenen Kirchen, ist sie nicht mit Gold überladen… im Mittelschiff ist ein abgetrennter hölzerner Chor… weiter vorn im Kirchenschiff ein separater Bereich, die Lady-Church… an den Seitenwänden befinden sich unzählige prunkvolle Grabplatten, meist mit eingearbeiteten Figuren und Texten – auch die 275 Wendeltreppenstufen zum Minster-Tower habe ich erklommen… von dort aus konnte ich meine zuvor gelaufene Wegstrecke nochmals nachvollziehen und einen Überblick über Stadt und Umgebung gewinnen… wieder unten angekommen, bekam ich Teile des Gottesdienstes mit… beim Läuten der Glocke wurde ich an die Glocken in Porto erinnert… sie ließen jeweils zur Viertelstunde, die gleiche Melodie, wie die Tischuhr meiner Großeltern erklingen
- nachdem mich meine Wege weiter durch die Stadt geführt hatten, fand ich gegen Abend ruhig am Fluss Ouse gelegen eine Bank, von der aus ich günstiger Weise auch wieder eine kostenfreie Internetverbindung aufbauen und somit meine letzten Tage posten konnte
- anschließend machte ich mich auf den Weg in die Jugendherberge… im Zimmer traf ich auf einen Engländer, der vor Jahren nach Neuseeland ausgewandert ist, dort als KFZ-Schlosser gearbeitet hat… erst vor wenigen Wochen hat er seinen Job aufgegeben, um zurück nach Großbritannien zu gehen, hier gelegentlich zu jobben und Europa zu bereisen… wir unterhielten uns über dies und das und so erfuhr ich zufällig, dass er für die Übernachtung nur 12Pfund zahlte… lächerlich wenig im Vergleich zu meinen 20Pfund trotz Jugendherbergsausweis… aber er hatte über worlkhostels.com gebucht und wie mir am nächsten Tag an der Rezeption mitgeteilt wurde, werden da nur kurzfristig freie Betten angeboten… naja… ändern konnte ich daran nun eh nix mehr
- irgendwann gegen elf überließ ich dann dem Schlaf das Kommando